Im Jahr 2027 wird das Deutschlandticket voraussichtlich erneut teurer. Dann soll erstmals eine neue Preisformel greifen – und die ist auf den ersten Blick nicht ganz leicht zu verstehen.
Der Preis des Deutschlandtickets steigt weiter. Als das Ticket für den Nah- und Regionalverkehr in ganz Deutschland im Mai 2023 eingeführt wurde, kostete es 49 Euro im Monat. Nicht einmal zwei Jahre später waren es bereits 58 Euro. Aktuell zahlen die mehr als 14 Millionen Nutzer 63 Euro – fast 30 Prozent mehr als zum Start.
Hauptgründe für die Preissteigerungen sind wachsende Energie- und Personalkosten. Im kommenden Jahr soll das Deutschlandticket erneut teurer werden. Wie hoch der Preis genau ausfällt, soll mithilfe einer neuen Berechnungsmethode ermittelt werden. Hier finden Sie die wichtigsten Antworten.
Wie viel soll das Deutschlandticket 2027 kosten?
Nach übereinstimmenden Berichten von WDR, „Tagesspiegel“ und der Deutschen Umwelthilfe soll der Preis zum 1. Januar 2027 von derzeit 63 Euro auf etwa 66,40 bis 66,80 Euro steigen.
Grundlage ist eine neue Formel, die auf der Verkehrsministerkonferenz im März 2026 vorgestellt wurde.
Deutschlandticket-Preisindex einfach erklärt
Die neue Formel besteht im Wesentlichen aus zwei Bestandteilen: dem Kostenindex und dem Wertfaktor. Später könnte zusätzlich ein sogenannter Dämpfungsfaktor hinzukommen. Er soll jedoch frühestens ab 2028 angewendet werden.
Kostenindex: Er berücksichtigt drei Kostenbereiche, die unterschiedlich stark gewichtet werden. Den größten Anteil haben die Personalkosten mit 55 Prozent: 16 Prozent entfallen auf Regionalzüge, 27 Prozent auf Busse und zwölf Prozent auf Straßenbahnen. Hinzu kommen 20 Prozent für Energie und 25 Prozent für sonstige Kosten. Die Energiekosten teilen sich wiederum in 12,8 Prozent für Diesel und 7,2 Prozent für Strom auf.
Wertfaktor: Dieser Koeffizient berücksichtigt das Verhältnis zwischen staatlicher Finanzierung und den Einnahmen aus dem Deutschlandticket. Dafür werden die Kompensationszahlungen von Bund und Ländern – insgesamt drei Milliarden Euro – durch den Umsatz aller verkauften Tickets geteilt.
Für 2027 lautet die Formel konkret:
Preis2027 = Preis2026 × (1 + Kostenindex × Wertfaktor)
Setzt man die Zahlen der Deutschen Umwelthilfe ein – einen Kostenindex von vier Prozent und einen Wertfaktor von 1,35 –, ergibt sich:
Preis2027 = 66,40 Euro (gerundet)
Der WDR kommt wegen der höheren Dieselpreise sogar auf eine mögliche Erhöhung auf 66,80 Euro. Wichtig ist: Bislang handelt es sich lediglich um Prognosen. Der tatsächliche Preis kann davon abweichen.
Warum wird das Deutschlandticket wieder teurer?
Laut der Deutschen Umwelthilfe liegt der wichtigste Grund in der Entwicklung des Dieselpreises. Nach Zahlen des Bundesverkehrsministeriums, die der Verband Allianz pro Schiene zitiert, waren Ende 2025 nur 63 Prozent des deutschen Schienennetzes elektrifiziert. Viele Züge fahren daher weiterhin mit fossilen Brennstoffen, vor allem mit Diesel. Auch zahlreiche Busse der örtlichen Verkehrsverbände werden noch mit Diesel betrieben.
Zuletzt stieg der Dieselpreisindex um knapp zehn Prozent, während der Strompreisindex lediglich um fünf Prozent zunahm. Zusätzlich treiben höhere Personalkosten und die Begrenzung der Zuschüsse von Bund und Ländern auf jeweils 1,5 Milliarden Euro den Ticketpreis nach oben.
Wird das Deutschlandticket automatisch jedes Jahr teurer?
Die kurze Antwort lautet: Nein. Die ausführliche Antwort ist komplizierter. Ein entsprechender Paragraf des Beschlusses besagt: „Bei positivem Preisindex wird der Preis des Deutschlandtickets angehoben. Bei negativem Preisindex bleibt der Deutschlandticketpreis unverändert; die Preisberechnung des Folgejahres setzt jedoch auf dem errechneten Deutschlandticketpreis mit negativem Preisindex auf.“
Das bedeutet: Selbst wenn Personal-, Energie- und andere Kosten künftig sinken, bleibt der Preis des Deutschlandtickets zunächst unverändert. Die Ersparnis wird stattdessen gewissermaßen gespeichert. Steigt der Preisindex später wieder, wird der negative Wert mit der neuen Entwicklung verrechnet. Dadurch sollen künftige Preissteigerungen gedämpft werden.
Kritik am Vorgehen
Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert das Vorgehen der Bundesregierung. Statt Sprit zu subventionieren, müsse mehr Geld in die Verkehrswende fließen. Geschäftsführer Jürgen Resch sagte: „Bund und Länder setzen mit der erneuten Verteuerung eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang: steigende Preise, weniger Abos, sinkende Einnahmen und damit noch mehr Druck für die nächste Preiserhöhung.“ Er fordert ein bundesweit gültiges 29-Euro-Ticket für zwölf Monate und anschließend einen dauerhaft stabilen Preis von 49 Euro.
Der Fahrgastverband Pro Bahn in Nordrhein-Westfalen hätte sich von Anfang an höhere Preise gewünscht. Dadurch wäre der Abstand zu den günstigeren Abonnements der regionalen Verkehrsverbünde größer, wie der WDR berichtet. Die großen Preissprünge gelten dort als Risiko. Es bestehe die Sorge, dass der Nahverkehr weiter kaputtgespart werde.
Für Verbraucher fällt die Bilanz ernüchternd aus. Auch nach den jüngsten Preissteigerungen gingen die Abonnementzahlen nicht dramatisch zurück. Trotz der steigenden Kosten bleibt das Deutschlandticket für viele Menschen die günstigste Möglichkeit, mit Bus und Bahn von A nach B zu kommen – zumindest vorerst.
Quellen: WDR (1), WDR (2), „Tagesspiegel“, DUH (1), DUH (2), Verkehrsministerkonferenz, Allianz pro Schiene