Obwohl in Deutschland Tausende Industriearbeitsplätze bedroht sind, lehnt die IG Metall Lohnverzicht ab. In der Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie will die Gewerkschaft die Kaufkraft der Beschäftigten erhalten.

In der anstehenden Tarifrunde für die deutsche Metall- und Elektroindustrie will die IG Metall mindestens die Reallöhne sichern. Während die genaue Lohnforderung in den kommenden Wochen festgelegt werden soll, verweist die Gewerkschaft auf eine bundesweite Beschäftigtenbefragung. Dabei sprachen sich 47,8 Prozent der Teilnehmenden für „moderate“ Entgelterhöhungen aus. Weitere 35 Prozent der 267.000 Befragten waren für eine „kräftige“ Erhöhung.

„Verzicht bringt nichts“, erklärte die Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner. Sie sieht Unternehmen und Politik in der Verantwortung, Industriearbeitsplätze zu erhalten und eine Deindustrialisierung zu verhindern. „Wir brauchen eine Anti-Dumping-Strategie und die Sicherung von Wertschöpfung über Local-Content-Vorgaben. Die Arbeitsplätze werden durch unfairen Wettbewerb bedroht, nicht durch zu hohe Arbeitskosten.“ Diese machten ohnehin nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten aus.

IG Metall verlangt Gegenleistungen

Wenn es Unternehmen schlecht gehe, sei die Gewerkschaft bei wirtschaftlichen Problemen stets zu Gesprächen bereit und habe Lösungen, sagte Benner. „Wir verlangen aber Gegenleistungen, nämlich Investitionen, Produktzusagen und die Sicherung von Arbeitsplätzen.“

Die Lage sei zudem nicht so schlecht, wie es die öffentliche Diskussion teilweise vermittle. Die Befragten nähmen die Situation in ihren Betrieben sehr unterschiedlich wahr. Während knapp die Hälfte sie als gut (31,7 Prozent) oder sehr gut (14,5 Prozent) beschreibe, bewerte gut jeder Fünfte die Lage als schlecht (16,9 Prozent) oder sehr schlecht (4,7 Prozent).

Gut gehe es Betrieben der Luft- und Raumfahrt, der Rüstungsindustrie, des Schiffbaus und der Energiebranche. In der Autoindustrie und bei Dienstleistern herrschten dagegen größere Sorgen.

Angriffe auf die 35-Stunden-Woche

Gleichzeitig warnte die Gewerkschaftschefin einzelne Unternehmen wie Mercedes-Benz davor, gewerkschaftliche Errungenschaften infrage zu stellen, die nicht einmal Gegenstand der Tarifverhandlungen sind. „Die 35-Stunden-Woche und der Achtstundentag gehören zum Identitätskern unserer Gewerkschaft. Wir haben das erkämpft und nicht geschenkt bekommen. Und wir werden weiter dafür kämpfen.“

40 statt 35 Stunden zu arbeiten, ohne dafür einen Entgeltausgleich zu erhalten, bedeute eine erhebliche Lohnkürzung von 14 Prozent.

In den Flächentarifverträgen für die deutsche Metall- und Elektroindustrie werden die Arbeitsbedingungen von rund 3,7 Millionen Beschäftigten verhandelt. Neben der Autoindustrie gehören der Maschinenbau, die Metallbearbeitung, die Elektrotechnik und der sonstige Fahrzeugbau zu den wichtigen Sparten.

Nicht verhandelt wird für die Beschäftigten der kriselnden Volkswagen AG, für die ein eigener Haustarifvertrag gilt. Dieser läuft zum Jahresende aus. Der Vorstand der IG Metall will seine Forderung nach einer umfangreichen Rückkopplung mit den regionalen Tarifkommissionen am 23. September beschließen.

Erste Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden sind ab dem 7. Oktober geplant. Die aktuellen Tarifverträge laufen am 31. Oktober aus. Danach sind sofort Warnstreiks möglich, weil in dieser Runde auf eine nachlaufende Friedenspflicht verzichtet wurde.