Zum zweiten Mal führt Eva von Angern Die Linke als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Diesmal könnte die 49-Jährige eine Schlüsselrolle übernehmen – vorausgesetzt, die CDU ist bereit, über ihre bisherigen Abgrenzungen hinauszugehen.
Im Vergleich zu mehreren anderen Parteien kann Die Linke relativ gelassen auf die Wahl am 6. September blicken. In den Umfragen liegt sie stabil bei 12 bis 13 Prozent und dürfte damit sicher in den Landtag einziehen. SPD, Grüne, FDP und BSW müssen dagegen um ihren Einzug bangen. Von deren Abschneiden könnte abhängen, ob von Angern und ihrer Fraktion nach der Wahl entscheidenden Einfluss gewinnen.
Sollte die AfD keine absolute Mehrheit erreichen, könnte es an von Angern und ihrer Fraktion liegen, ob Sven Schulze (CDU) erneut zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt wird. Mit den Stimmen der Linken wäre das rechnerisch möglich – doch dafür müssten beide Seiten aufeinander zugehen.
Wird Die Linke zur Mehrheitsmacherin in Sachsen-Anhalt?
Während Schulze am Unvereinbarkeitsbeschluss seiner Partei gegenüber der Linken festhält, tastet sich von Angern vorsichtig vor. Die 49-Jährige schließt zumindest nicht aus, bei der Wahl des Ministerpräsidenten die entscheidende Stimme für die CDU zu liefern. Schon jetzt verteidigt sie die Union, notfalls auch gegen den eigenen Parteichef: Nachdem Luigi Pantisano den Christdemokraten faschistische Politik vorgeworfen hatte, widersprach von Angern öffentlich. Das hat ihr in den eigenen Reihen nicht nur Zustimmung eingebracht.
Einen möglichen Parteitagsbeschluss, der Gespräche mit der CDU untersagen sollte, wies sie mit klaren Worten zurück: „Ich möchte nicht am Sonntag nach Magdeburg fahren müssen mit einem Beschluss dieses Bundesparteitages, der es mir untersagt, mit Demokratinnen und Demokraten anderer Parteien zu reden.“ Zugleich erwartet die Linken-Spitzenkandidatin selbstverständlich Bewegung von der Gegenseite: „Eine CDU, die sagt, die Linke kann uns unterstützen, aber sie muss 100 Prozent CDU-Politik mitmachen, ist für uns keinesfalls wählbar“, sagte sie dem „Münchner Merkur“. Besonders bei Migration und Sozialstaat liegen die Positionen auseinander.
Für von Angern hat jedoch Priorität, eine Regierung der AfD zu verhindern. Ihre Partei sei „bereit, alles dafür zu tun, um die AfD von den Hebeln der Macht fernzuhalten“, sagte sie dem Mitteldeutschen Rundfunk.
Eva von Angern: Kinderschutz ist ihr großes Thema
Eva von Angern, Jahrgang 1976, wurde in Magdeburg geboren und politisch nach der Wende geprägt – in einer Zeit, in der Sachsen-Anhalt häufig von rechtsextremer Gewalt erschüttert wurde. Zunächst studierte sie Jura in Halle. Eigentlich hatte sie sich zuerst für ein Lehramtsstudium interessiert. Politisch liegen ihre Wurzeln in der PDS, der Vorgängerpartei der Linken, der sie bereits mit 19 Jahren beitrat. Nur sechs Jahre später zog sie – kurz nach der ersten Studienprüfung und bereits als Mutter ihres ersten Kindes – in den Landtag ein. 2020 übernahm sie den Fraktionsvorsitz.
Bei der vergangenen Wahl vor fünf Jahren erreichte Die Linke mit von Angern als Spitzenkandidatin elf Prozent und wurde hinter CDU und AfD drittstärkste Kraft – allerdings mit deutlichen Verlusten.
Neben dem Kampf gegen Rechtsextremismus zählen soziale Gerechtigkeit sowie Frauen- und Kinderrechte zu den zentralen Anliegen von Eva von Angern. Für den Kinderschutz engagiert sich die dreifache Mutter auch außerhalb des Landtags: als Mitgründerin des Netzwerks gegen Kinderarmut in Sachsen-Anhalt.